Abenteuer Paragleiten – Teil 1

Komplett auf dich allein gestellt und losgelöst von der Welt das Gefühl der Freiheit genießen und die Welt von oben bewundern. Nur wenige Sportarten geben einem das Gefühl von Freiheit, das du beim Paragleiten erleben kannst. Und genau diesem Gefühl habe ich im Sommer nachgejagt und habe beschlossen, den Sonderpiloten(SoPi)-Schein zu machen um künftig auf eigene Faust abheben zu können. Falls du mir auf Instagram folgst, hast du mit Sicherheit schon zahlreiche Einblicke in dieses Abenteuer gehabt. Hier möchte ich meine Erfahrungen bei der Ausbildung zum Piloten noch einmal detailliert festhalten und vielleicht auch dich dazu motivieren, dieses Gefühl zu erleben.

Warum Paragleiten?

Die Frage die du dir nach der Einleitung vielleicht als erstes gestellt hast: Warum Paragleiten? Das Ganze geht bereits sehr viele Jahre zurück (schätzungsweise um die 10 Jahre) als ich das erste Mal den Gedanken hatte “irgendwann einmal” Paragleiten zu lernen. Irgendwie hat mich dieser Sport schon immer fasziniert, zumal es kaum vergleichbare Sportarten gibt. Vergangenen Sommer habe ich einen Tandem-Flug gemacht und bin somit das erste Mal mit einem Gleitschirm vom Boden abgehoben – ein atemberaubendes Gefühl!

Aber von “ich möchte irgendwann einmal Paragleiten lernen” bis zu dem Punkt tatsächlich einen Kurs zu buchen und die Zeit zu investieren, ist noch ein sehr großer Schritt. Anfang des Jahres habe ich mir Urlaub für den gesamten Juni genommen – geplant war ein Roadtrip durch Skandinavien. Aufgrund zahlreicher Faktoren und der COVID19-Situation konnte ich diesen Plan jedoch leider nicht umsetzen – hatte jedoch nach wie vor ein Monat Urlaub. Ich hatte zahlreiche Ideen wie ich diese Zeit sinnvoll nutzen konnte, aber dann geschah folgendes: Eines Abends sah ich uufällig ein Video von Paragleitern und erinnerte mich an meinen Wunsch vor nahezu 10 Jahren eines Tages das Paragleiten zu erlernen. Gesagt, getan – der Entschluss war gefasst!

Grundsätzlich hätten mich Sportarten wir Fallschirmspringen oder darüber hinaus Basejumping sogar etwas mehr gereizt als Paragleiten. Der große Nachteil bei diesen ist jedoch, dass man (zumindest beim Fallschirmspringen) immer darauf angewiesen ist irgendwie nach oben gebracht zu werden. Das nimmt sehr viel Flexibilität und “Freiheit” und mir gefiel der Gedanke einen Berg zu erklimmen und mit dem Gleitschirm wieder ins Tal zu fliegen einfach wesentlich besser. So wäre es mir möglich, jeden beliebigen Gipfel zu erklimmen und von dort aus zu starten (zumindest in meiner abenteuerlichen Vorstellung 😉).

Die praktische Ausbildung

Grundsätzlich ist es in Österreich erlaubt den SoPi-Schein mit 15, in Deutschland mit 16 zu machen. In Österreich ist die Ausbildung im Regelfall 3-stufig aufgebaut:

  • Grundkurs:
    • Dauer: ca. 5-6 Tage
    • Theorie-Unterricht sowie praktische Einweisung am Übungshang
    • 5 Höhenflüge (=Höhendifferenz von mind. 500m)
  • Höhenflugkurs:
    • Dauer: ca. 6 Tage
    • Umfassende Theorieausbildung für den SoPi
    • 20 Höhenflüge bei denen zahlreiche Flugmanöver geübt werden
  • Pilotenschein:
    • Dauer: ca. 5 Tage
    • Ab diesem Punkt dürftest du mit einem Flugauftrag einer ansässigen Flugschule bereits eigenständigen in anderen SCHULUNGSGEBIETEN fliegen
    • 15 weitere Höhenflüge um in Summe auf die für den SoPi vorgeschriebenen 40 Höhenflüge zu kommen
    • Theoretische Prüfung (ähnlich dem Führerschein)
    • Praktische Prüfung

Ich beschloss meine Ausbildung in der Flugschule Austria Fly in Werfenweng zu absolvieren. Einerseits gefiel mir der flexible Aufbau der Ausbildung, andererseits sagte mir die Gegend landschaftlich mehr zu als andere, nähere Flugschulen. Da eine tägliche Anreise, selbst bei näheren Flugschulen wie beispielsweise an der Hohen Wand, ohnehin zeitlich sehr schwer geworden wäre, war ohnehin klar das ich eine Unterkunft nahe der Flugschule benötigen würde.

Der Übungshang

In Werfenweng angekommen meldete ich mich für die gesamte Ausbildung an und startete bereits am nächsten Tag, da der Einstieg jederzeit möglich ist. Kurz vor Beginn der ersten Flugstunde wurde die Leihausrüstung abgeholt und dann ging es bereits Richtung Übungshang. Nach einer kurzen Einweisung aller “Neulinge” bei der die grundlegenden Komponenten eines Gleitschirms vorgestellt wurden, ging es bereits an den praktischen Teil. Kurz wurde erklärt wie wir uns mit unserem Gurtzeug korrekt in den Gleitschirm einhängen können und dann hieß es Schirm auslegen und einhängen.

Aller Anfang ist schwer und so dauerte es eine Weile, diese Aufgabe zu bewältigen. Nach einer Kontrolle des Fluglehrers hieß es dann aber bereits – mit Funkunterstützung – loszulaufen und den Gleitschirm das erste Mal aufzuziehen. Hier konnten wir bereits wenige Meter vom Boden abheben! Und so ging es den ganzen Tag weiter. Übungshang hinaufgehen – Schirm auslegen – Einhängen – Aufziehen und wieder von vorne.

Durch das ständige Wiederholen dieses essentiellen Vorganges – davon hängt in weiterer Folge immerhin auch das Leben des Piloten ab, ging dies immer mehr in Fleisch und Blut über. In den nächsten 2 Tagen ging es genauso weiter, jedoch konnten wir mit jedem Tag an einem höheren Punkt des Übungshanges starten. Das hieß steileres Gelände, längere Flugzeit und natürlich auch eine größere “Flughöhe”. Nach und nach fingen wir auch an wenige Kurven zu fliegen und an unserer Landetechnik zu arbeiten. Alles nach wie vor mit Funkunterstützung, jedoch wurden die Anweisungen sukzessive weniger und die Kontrolle, ob wir korrekt eingehängt sind, fiel am letzten Tag komplett weg. Nach und nach mussten wir in das Pilotendasein hineinwachsen und selbst die Kontrolle durchführen und Entscheidungen treffen.

Der Übungshang an dem die ersten Starts mit dem Gleitschirm stattfinden

Das einzig negative am Übungshang: Irgendwie muss der Gleitschirm den Hang hinaufgebracht werden – und das kann ziemlich anstrengend werden. Bei großer Hitze mit einem zusammengerafften Nylon-Schirm auf der Schulter und einem moderat schweren Gurtzeug am Rücken wird selbst der kleine Übungshang zu einer immer größeren Herausforderung. Am ersten Tag waren es viele kürzere, am letzten Tag weniger dafür längere Aufstiege – weniger anstrengend wurden diese aber nie.

Die Höhenflüge

Am Ende des dritten Tages wurde uns mitgeteilt, das es am nächsten Tag bereits an den ersten Höhenflug geht! Ausgestattet mit 2 Funkgeräten hieß es also am darauffolgenden Morgen wieder: Schirm auslegen und einhängen, diesmal jedoch mit einer wesentlich größeren Höhendifferenz!

Die Übung der vergangenen Tage machte sich jedoch bezahlt und der Start war wesentlich leichter, als ich es mir vor Beginn der Ausbildung jemals vorgestellt hätte. Ein unbeschreibliches Gefühl praktisch auf dich allein gestellt (von den Funkgeräten einmal abgesehen) durch die Luft zu fliegen. Sofern du dies noch nicht erlebt hast, kann ich dir nur ans Herz legen zumindest einmal einen Tandemflug zu machen und das selbst einmal zu erleben. Per Funk erhielt ich eine Reihe von Anweisungen, flog bereits mein erstes Flugmanöver und landete nach etwa 8-10 Minuten problemlos am Landeplatz.

Im Gegensatz zum Übungshang flogen wir, bedingt durch den Höhenunterschied und die längere Vorbereitungszeit, nun jedoch nur 2-3x am Tag. Am Nachmittag waren die Bedingungen meist zu turbulent um als Fluganfänger noch sicher fliegen zu können. Mit jedem Flug fühlte ich mich sicherer und mit der Zeit kamen auch immer weitere Flugmanöver hinzu. Von einem geflogenen Achter, über Schnellabstiegsmanöver oder das sogenannte Rollen oder Nicken, bis hin zum Simulieren von seitlichen Einklappern deines Gleitschirmes (das ist genau das, wonach es klingt) wurden ständig neue Manöver erlernt und alte wiederholt. Parallel dazu wurden die Anweisungen per Funk, vor allem beim Start und bei der Landung, ebenso immer weniger. Diese essentiellen Vorgänge des Gleitschirmfliegens mussten wir lernen selbstständig durchzuführen.

Aber Fliegen ist nicht immer so “einfach” wie es sich zu Beginn angefühlt hat und kann unter nicht optimalen Bedingungen sehr herausfordernd sein. Vom Starkwindstart bis hin zu turbulenten Bedingungen in der Luft oder starkem Gegen- bzw. Rückenwind beim Landeanflug wurden wir im Laufe der Zeit mit zahlreichen schwierigen Bedingungen konfrontiert. Anders als bei vielen andere Sportarten habe ich beim Paragleiten schnell gemerkt, das mein eigenes Können in der Luft nur bedingt dafür verantwortlich ist, wie sicher ich wieder auf den Boden komme.

Als Pilot ist man den Kräften der Natur ausgesetzt und daher ist eine gute Flugplanung essentiell für ein sicheres Flugerlebnis. Es gilt das Wetter und die thermischen Bedingungen vorab möglichst gut zu analysieren und auch am Berg ständig die Umgebung zu beobachten. Um hier eine fundierte Entscheidung treffen zu können, ist natürlich eine breite Basis an theoretischem Grundwissen sowie viel Erfahrung erforderlich.

Mehr zur theoretischen Ausbildung sowie dem weiteren Verlauf meiner Zeit in Werfenweng, erfährst du im nächsten Teil dieses Blogposts! Abschließend interessiert mich, ob du selbst den SoPi-Schein hast oder schon einmal einen Tandemflug gemacht hast? Lass es mich in den Kommentaren wissen!

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