Berufsbegleitendes Fernstudium – Fazit

Vor nahezu 5 Jahren habe ich mich dazu entschieden, neben meiner Vollzeit-Anstellung ein berufsbegleitendes Studium der Wirtschaftsinformatik zu beginnen. Viele nervenaufreibende und anstrengende Semester später stehe ich kurz davor dieses Studium in der vorgesehenen Mindestzeit zu beenden. In diesem Blogpost berichte ich von einigen meiner Erfahrungen die ich in den letzten Jahren gesammelt habe. Ich will dir einen Einblick in das berufsbegleitende Fernstudium geben und dir so eventuell bei deiner Entscheidung helfen, wenn du aktuell selbst überlegst ein solches Studium zu beginnen!

Falls du mehr darüber wissen möchtest, warum ich mich für ein Fernstudium entschieden habe, solltest du unbedingt folgenden Blogpost lesen: Fernstudium – Warum?

Busy? Dann habe ich hier die Kernaussagen des Blogposts für dich zusammengefasst.
  • Fernstudium: Du kannst dich gut selbst motivieren und willst flexibel bleiben.
  • Präsenzstudium: Du bevorzugst persönlichen Kontakt und einen “geregelten” Ablauf.

Wochenende? Vergiss es.

Zugegeben, so wird es vermutlich nicht jedem gehen – aber in meinem Fall war es ziemlich genau so. Wochenenden hießen in den meisten Fällen lernen. Auch wenn ich es mir flexibel einteilen konnte und keinesfalls mein ganzes Wochenende zuhause mit Lernen verbracht habe, war dennoch ein Großteil meiner Zeit für die Uni reserviert. Wie sollte es auch anders gehen, unter der Woche war ich immerhin täglich arbeiten und ein wenig Freizeit sollte obendrein auch noch übrig bleiben 😉.

Studentenleben?

Wohl kaum. Da die die Studenten meist geografisch verteilt sind, ist persönlicher Kontakt ohnehin ziemlich selten. Darüber hinaus stehen viele der “Studenten” bereits im Leben und haben auch eine Familie bzw. Kinder. Wenn du auf der Suche nach dem “klassischen” Studentenleben bist, wirst du bei einem Fernstudium also eher enttäuscht werden.

Hab morgen Uni.

Nur wenn du es willst 😉. Du entscheidest wann, wo und wie du lernst und hast hierbei nahezu keine Vorgaben. Natürlich solltest du deine Abgaben einplanen und für die Prüfungen am Semesterende lernen, aber dies sind nur sehr wenige Fixpunkte. Ansonsten bist du dein eigener Herr bzw. deine eigene Frau.

Bereue ich diese Entscheidung?

Rückblickend habe ich mir zwar intensiv mit der Thematik eines berufsbegleitenden Studiums auseinander gesetzt, aber dennoch erscheint mir meine damalige Entscheidung sehr spontan gewesen zu sein. Aber solche spontanen Entscheidungen sind oftmals die Besten und das kann ich in diesem Fall nur bestätigen!

Während dem intensiven büffeln zahlreicher wirtschaftlicher Fächer, denn mein Wirtschaftsinformatik-Studium war sehr wirtschafts-intensiv, habe ich mich oft gefragt ob ein Informatik-Studium nicht sinnvoller gewesen wäre. Ich habe eine technische Ausbildung abgeschlossen, habe ein einigermaßen ausgeprägtes Interesse in Programmieren und arbeite auch im technischen Bereich. Insofern fühle ich mich in dieser Welt definitiv auch wohler.

Warum aber dann Wirtschaftsinformatik? Mein Ziel war es, meinen Horizont zu erweitern. Ich wollte über den technischen Bereich hinausgehen und mir Wissen in neuen Bereichen aneignen. Abgesehen davon, wollte ich mir natürlich auf Fertigkeiten in anderen Bereichen aneignen, um mich beruflich flexibler positionieren zu können. Insofern war Wirtschaftsinformatik genau die richtige Entscheidung, da ich zwar (selten) auf vorhandenes technisches Wissen zurückgreifen konnte, aber dennoch viel neues dazu gelernt habe.

Im Nachhinein betrachtet bin ich froh, die seinerzeit lästigen wirtschaftlichen Module durchgemacht zu haben. Das Wissen welches ich mir auf diese Weise angeeignet habe, hat meinen Blick auf einige Dinge verändert und wird mir in Zukunft mit Sicherheit noch oft helfen. Darüber hinaus habe ich ein Interesse für einige Themenkomplexe der Wirtschaftsinformatik entdeckt, welches ich auch außerhalb meines akademischen Studiums weiter verfolgen werde.

Also nein, ich habe meine Entscheidung zwar gelegentlich hinterfragt, aber nie bereut. Auch im Nachhinein betrachtet bin ich froh, in den letzten Jahren große Mengen meiner Freizeit in meine persönliche Weiterbildung investiert zu haben! Ganz allgemein bin ich der Meinung das die persönliche Weiterbildung, unabhängig davon in welchem Bereich oder auf welche Weise, mitunter eine der sinnvollsten Möglichkeiten ist, seine Zeit zu verbringen.

Noch einmal Fernstudium?

Das ist eine Frage, mit der ich mich selbst sehr intensiv auseinander gesetzt habe. Ich habe nun ein Bachelor-Studium der Wirtschaftsinformatik abgeschlossen und gedenke in diesem Bereich auch noch ein Master-Studium anzuhängen. Im Zuge dessen habe ich mir selbst natürlich oft die Frage gestellt, ob ich dieses ebenso im Fernstudium machen möchte. Es besteht natürlich auch die Möglichkeit der Bildungskarenz, ich könnte versuchen meine Arbeitsstunden zu reduzieren um mehr Zeit für mein Studium zu haben oder ein Selbsterhalterstipendium anstreben. Die Optionen für ein weiteres Studium sind also sehr viefältig.

Nun ist der Bereich der Wirtschaftsinformatik an sich bereits sehr theoretisch. Darüber hinaus wird dieser bereits sehr theoretische Themenkomplex durch ein Fernstudium (meiner Erfahrung nach) meist noch theoretischer gelehrt. Praktische Arbeiten gab es im Zuge meines Fernstudiums keine. Gruppenarbeiten o.ä. waren ebenso nie ein Thema und – auch wenn ich keinesfalls ein Freund von Gruppenarbeiten bin – denke ich dennoch das verschiedene Unterrichtsformen von Vorteil gewesen wären.

Die Argumente meines ersten Blogposts zum Thema Fernstudium stehen für mich jedoch nach wie vor. Ich will meinen Lebensstandard nicht senken und denke nach wie vor, dass der Stellenwert von Berufserfahrungen vermutlich sogar größer, als der meines Studiums ist. Auch wenn ich in weiterer Folge in einem gänzlich anderen Bereich arbeiten sollte, können X-Jahre Berufserfahrung keinesfalls ein Nachteil sein. Und abgesehen davon, will ich mein Studium nach wie vor primär aus Interesse an der Thematik absolvieren.

Was bleibt dann also noch? Aktuell ist mein Plan, nach wie vor Vollzeit weiter zu arbeiten. Daneben möchte ich ein Masterstudium der Wirtschaftsinformatik an einer Präsenzuniversität beginnen. Ich erhoffe mir so einen praktischeren Bezug zu vielen neuen Themengebieten zu bekommen, als es bei einem Fernstudium der Fall wäre. Abgesehen davon denke ich, dass ich persönlich von einem physisch anwesenden Vortragenden profitieren könnte. Ich habe zwar grundsätzlich kein Problem damit rein textbasiert zu lernen, dennoch gab es in meinem Studium oft Situationen in denen mir der unkomplizierte und direkte Kontakt mit einer Lehrkraft viel Zeit und Nerven erspart hätte.

Wie realistisch es ist dies zu schaffen, lässt sich aktuell schwer sagen. Da ich jedoch grundsätzlich keinen zeitlichen Druck habe mein Studium zu beenden, gehe ich davon aus, das sich auch diese Herausforderung bewältigen lässt!

Fernstudium für dich?

Wenn du diesen Blogpost liest ist die Wahrscheinlichkeit groß, das auch du dich für ein Fernstudium interessiert. Gründe für oder gegen ein Fernstudium habe ich bereits in meinem ersten Blogpost, Fernstudium – Warum?, erläutert.

Sofern du eine akademische Weiterbildung anstrebst, aber deine Lebenssituation ein klassisches Präsenzstudium einfach nicht zulässt, bleibt dir oftmals ohnehin nur die Wahl eines Fernstudiums. Andernfalls solltest du dich fragen, warum du gerade ein Fernstudium anstrebst. Bist du auf der Suche nach zeitlicher Flexibilität und hast keine Probleme dich selbst zu motivieren und konsequent zu lernen, kann ein Fernstudium eine großartige Möglichkeit zur Weiterbildung sein!

Ganz am Rande erleichtert ein Fernstudium die Urlaubsplanung maßgeblich, was ich sehr oft als angenehm empfunden habe. Dadurch das du wirklich immer und überall lernen kannst und keinerlei Präsenzveranstaltungen hast, ist es auch egal an welchem Ort du deinen akademischen Verpflichtungen nachkommst. Ein spontaner Kurzurlaub wird so mit Sicherheit nicht durch etwaige Pflichtveranstaltungen verhindert!

Lernen und 3 Minuten später am Strand – Kein Problem!

Der enormen Flexibilität stehen aber auch einige Nachteile gegenüber. Meiner Meinung nach wird das Studium sehr theoretisch (also noch theoretischer, als es ohnehin schon oft ist). Zudem bist du sehr oft auf dich alleine gestellt. Auch wenn theoretisch die Möglichkeit besteht sich online mit anderen Studenten und dem Lehrstuhl auszutauschen, ist es doch etwas völlig anderes als persönlichen Kontakt zu pflegen. Wenn du nach einem “geregelten” Ablauf suchst, wird du dies in einem Fernstudium ebenso kaum finden. Während du bei einem Präsenzstudium Pflichtveranstaltungen und Abgaben hast, gibt es bei einem Fernstudium nur sehr wenige solche Fixpunkte.

Um es kurz zu fassen: Flexibilität und Eigenständigkeit vs. “geregelter” Ablauf und soziale Kontakte. Es liegt an dir, was dir mehr zusagt.

Ich selbst bin froh, das Fernstudium gemacht zu haben. Die Erfahrungen und das Wissen das ich erlangt habe, kann mir keiner nehmen. Auch wenn die zusätzliche Belastung einer Vollzeit-Anstellung mit Sicherheit öfters eine Herausforderung war würde ich es, wenn ich mich noch einmal entscheiden müsste, vermutlich nicht anders machen.

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