Vegan

“Ich habe aus aktueller Sicht nicht vor, völlig auf Fleisch zu verzichten. Ich will lediglich meinen Fleischkonsum stark reduzieren und auf alternative Proteinquellen zurückgreifen.” Genau das habe ich in meinem Blogpost Fleisch für Athleten – ist es wirklich notwendig? geschrieben. Aber seitdem hat sich einiges geändert und ich habe Ende 2019 beschlossen mich vegan zu ernähren. Warum ich diesen Entschluss gefasst habe und wie es mir bisher dabei ergangen ist, dass erfährst du in diesem Blogpost!

Busy? Dann habe ich hier die Kernaussagen des Blogposts für dich zusammengefasst.
  • Vegane Ernährung verursacht weniger Treibhausgas-Emissionen und schützt unseren Regenwald.
  • Vegane Ernährung senkt das Risiko zahlreicher Erkrankungen (z.B. verschiedenste Herzerkrankungen, Krebs).
  • Ethische Bedenken! Wenn du Tiere schützen willst, dann iss sie nicht.
  • Auch als Athlet ist eine vegane Ernährung gut möglich! Du musst dich in deiner Essensplanung nur etwas umgewöhnen!

Warum?

Vor einigen Monaten hatte ich noch keinerlei Absichten mich vegan zu ernähren, warum also so schnell der Sinneswandel? Der Auslöser war, wie vermutlich für viele die sich nun dem Veganismus zuwenden, die Dokumentation Gamechangers auf Netflix.

Einiges der gezeigten Informationen war mir bereits klar, vieles war neu für mich. Da ich ein Mensch bin, der auch bestehende Grundsätze oft kritisch hinterfragt, fand Gamechangers schnell anklang bei mir und ich beschloss, mich zumindest einmal einen Monat lang vegan zu ernähren und diese Ernährungsform zu probieren.

In den kommenden Tagen und Wochen setzte ich mich jedoch weiter mit dem Veganismus auseinander, las Berichte der UN, der WHO und wissenschaftliche Publikationen. Zudem stieß ich über den Youtube-Kanal von Niko Rittenrau welcher sich stark mit dem Thema der veganen Ernährung beschäftigt. An seinem Kanal gefällt mir besonders gut, das er seine Aussagen mit wissenschaftlichen Publikationen belegt, die mich noch tiefgreifender in diese Thematik geführt haben.

Nach meiner intensiven Recherche war mir schnell klar: Das wird kein Projekt welches ich nach einem Monat beenden werden, ich werde meine Ernährung, sofern ich keine gravierenden körperlichen Schwierigkeiten feststelle, auch langfristig vegan gestalten.

Gründe für den Veganismus

Von den in Gamechangers genannten Argumenten haben sehr viele Anklang bei mir gefunden. Auch wenn ich von vielen der Argumente überzeugt bin, möchte ich mich in diesem Blogpost jedoch nur an jenen Argumenten orientieren, die ich mit entsprechend seriösen Quellen auch belegen kann.

Nachhaltigkeit

Das meiner Meinung nach mit Abstand größte Argument für eine vegane Ernährung ist der Nachhaltigkeitsgedanke. In meinem Blogpost Nachhaltigkeit habe ich bereits einige meiner Ansätze zum Thema Nachhaltigkeit dargelegt. In Punkto Ernährung vertrete ich nun jedoch den Standpunkt, dass nicht nur der Verzicht auf Fleisch, sondern auf tierische Produkte im Allgemeinen, einer der nachhaltigsten Ansätze ist.

Im oben angeführten Blogpost habe ich bereits aufgezeigt, dass die Tierhaltung weltweit für mehr Treibhausgas-Emissionen verantwortlich ist, als der gesamte Verkehr (also Autos, Züge, Schiffe, Flugzeuge!! etc.). Ein Verzicht auf tierische Produkte ist daher der schnellsten Wege, um die Treibhausgas-Emissionen direkt zu reduzieren.

Zudem ist die Massentierhaltung auch der Hauptverursacher für die Abholzung des Regenwaldes (es wird Fläche zur Haltung der Tiere benötigt) [9, 10]. Ein sehr häufiges Argument ist jedoch, dass auch die Soja-Produktion, ein wichtiges Nahrungsmittel für viele veganer, ebenso für die massive Abholzung des Regenwaldes verantwortlich ist. Und das stimmt auch [11, 12].

Photo by Janusz Maniak on Unsplash

Wenn man sich nun jedoch vor Augen führt, wofür dieses Soja primär verwendet wird, sieht die Sache wieder anders aus. Der größte Teil dieses Sojas (man liest hier von Zahlen von 70-90%) geht in die Viehindustrie und dient als Kraftfutter für die Viehzucht [13, 14, 15].

Nun ist es aber so, dass nur ein geringer Teil der Energie dieses Sojas auch letzten Endes in Form von Fleisch auf unserem Teller landet. Etwa 65-90% der Nahrungsenergie und des Proteins pflanzlicher Produkte geht bei der Umwandlung zu tierischen Produkten verloren. Das Tier benötigt einen Großteil der Energie beispielsweise für den eigenen Stoffwechsel [16].

Es ist also um ein Vielfaches effizienter Soja-Produkte direkt zu konsumieren, als den Umweg über tierische Produkte zu gehen. Das würde den Soja-Bedarf auch massiv reduzieren und so der Abholzung des Regenwaldes entgegen wirken. Setzt du zudem auf regionalen Tofu, von dem du weißt wo dieser produziert wird, beteiligst du dich mit deinem Konsum auch nicht an der Abholzung des Regenwaldes.

Gesundheit

Ein weiteres, sehr starkes Argument für eine vegane Ernährung, ist die eigene Gesundheit. Veganer haben nachweislich eine geringere Anfälligkeit für Herzerkrankungen (Herzinfarkt o.ä.). Zudem kann eine vegane Ernährung den Blutdruck senken und Cholesterin im Blutserum reduzieren [2, 3, 4, 5]. Zusätzlich hält sich der BMI von Veganern eher im Normalbereich, als bei Personen die sich von Mischkost ernähren. Potentielle Gründe hierfür sind die ernährungsformbedingte höhere Zufuhr von Ballaststoffen, sowie geringerer Konsum von Fett und Protein [5, 6].

Weiters reduziert eine vegane Ernährung das Risiko einer Krebserkankung (je nach Krebsart, kann die Reduktion unterschiedlich stark ausfallen) [2, 3, 4, 7, 8]. Zusätzlich kann das Risiko einer Typ-2 Diabetes-Erkrankung durch den Veganismus ebenso reduziert werden [2, 3, 4, 5]. Nicht umsonst wird bei zahlreichen solcher Erkrankungen von jedem Arzt empfohlen, den Fleisch- und Zuckerkonsum zu reduzieren.

Ich möchte eigentlich lange gesund leben und in Anbetracht dieser Tatsachen, ist eine vergane Ernährung in meinen Augen der Weg dorthin!

Ethische Gründe

Auch wenn ich nach Gamechangers einige ethische Bedenken hinsichtlich dem Konsum von Fleisch hatte, muss ich dennoch gestehen das dies keiner meiner Hauptgründe für den Wechsel zum Veganismus war. Erst die Dokumentation Cowspiracy hat dieses Argument für mich noch wesentlich wichtiger gemacht.

Ich habe 2 Hauskatzen die ich abgöttisch liebe und es fühlt sich falsch an Tiere töten zu lassen, damit ich Fleisch essen kann. Wenn man bedenkt das durch Massenfischerei etwa 40% an Beifang entsteht und man als Konsument somit indirekt für Artensterben mitverantwortlich ist, kann ich das nicht weiter unterstützen [1].

Das Aussterben von Tierarten ist mir durchaus ein Anliegen, allgemein will ich Tiere also schützen. Aber wie bereits in Gamechangers angemerkt wird:

Die beste Art um Tiere zu schützen ist es, sie nicht auf den eigenen Teller zu bringen. Gamechangers

Und da ist durchaus etwas wahres dran. Ich selbst will kein Tierleid unterstützen, nur damit ich Fleisch essen kann.

Veganismus und Sport

Einer der für mich größten Punkte war die Frage, ob ich eine vergane Ernährungsweise in Kombination mit einem hohen Volumen an Sport unter einen Hut bringen kann. Auch wenn mir durchaus klar ist, dass es zahlreiche pflanzliche Proteinquellen gibt, auf die ich in den vergangenen Monaten auch vermehrt zurückgegriffen habe, war ich mir nicht sicher ob ich meinen Proteinbedarf aus pflanzlichen Quellen decken kann. Mit 160g Protein pro Tag habe ich bisher 2g pro Kilogramm Körpergewicht konsumiert.

Photo by Gaelle Marcel on Unsplash

Mein erster Schritt war die Reduktion meiner täglichen Proteinmenge auf die von Ross Edgley in seinem Buch “World’s Fittest Book” verwendete Proteinmenge von 1,7g pro Kilogramm Körpergewicht zu reduzieren. Ich wollte feststellen, ob ich wirklich so viel Protein zu mir nehmen musste wie ich bisher dachte. Und dann hieß es genau planen und mit Köpfchen an die Essensplanung herangehen. Der Proteinbedarf, auch eines sportlich sehr aktiven Menschen, lässt sich pflanzlich mit Sicherheit decken. Viele potentielle Proteinquellen habe ich bereits im Eingangs erwähnten Blogpost Fleisch für Athleten – ist es wirklich notwendig? erwähnt. Du musst lediglich etwas besser planen und genauer über deine Ernährung nachdenken.

Eine Anmerkung meinerseits: Ich denke das wird nur am Anfang so sein. Wenn ich mich nach einer Weile an die vegane Ernährung gewöhnt habe, wird mir sicherlich intuitiv bewusst sein wie ich in etwa kochen muss, damit ich meine Nährstoffebedarfe abdecke.

Ob ich durch die vergane Ernährung, wie Gamechangers vermuten lässt, tatsächlich leistungsfähiger werde: Ich weiß es nicht. Ich denke das unterschiedliche Menschen durchaus verschieden auf die Umstellung zur veganen Ernährung reagieren. Ob ich tatsächlich energiegeladener bin und mehr Leistung bringen kann, das wird sich zeigen. Für mich ist es ausreichend wenn ich meine Leistung, so wie bisher, halten kann.

Aus aktueller Sicht fühle ich mich gut. Ich kann seit meiner Umstellung auf eine vegane Ernährung keinerlei Leistungseinbußen (aber auch keinen Leistungszuwachs) feststellen. Ich vermisse das Fleisch oder tierische Produkte nicht. Eine Sache hat sich für mich jedoch geändert. Ich habe viele Lebensmittel, vor allem verschiedenste Gemüsesorten, wieder entdeckt, mit denen ich nahezu nie gekocht habe. Ich habe mich intensiv mit verschiedenen veganen Gerichten auseinander gesetzt und das Kochen wieder ein wenig (mehr) für mich entdeckt.

In der nächsten Zeit werde ich mit Sicherheit noch verschiedene Rezepte ausprobieren und verfeinern. Meine Favoriten stelle ich euch natürlich hier vor.

Kritik an Gamechangers

Gamechangers hat einen Wandel in meinem Leben herbeigeführt, den ich mir in den letzten Jahren nicht hätte vorstellen können. Jedoch gibt es an dieser Dokumentation in meinen Augen auch einige Kritikpunkte.

Oftmals kam es zu einer Gegenüberstellung Fleisch vs. Vegan und Vegan wurde als die Überlegene Ernährungsform dargestellt. Auch wenn dies in einigen Punkten durchaus zustimmen mag (Nachhaltigkeit, Gesundheit), ist dies dennoch ein radikaler Ansatz den ich nicht in allen Punkten vorbehaltslos unterstützen würde.

Auch wäre es in meinen Augen wünschenswert gewesen die Aussagen, soweit möglich, mit wissenschaftlichen Quellen zu belegen (von denen es ja einige gibt, wie ich in meiner Eigenrecherche nach der Dokumentation herausgefunden habe). Ich bin immer recht kritisch und versuche mich weitestgehend an wissenschaftlich validierten Publikationen oder authentischen Quellen zu orientieren.

Teilweise wurden auch nur Teile der referenzierten Studien, welche für das Motiv von Gamechangers hilfreich waren, erwähnt. Andere Teile dieser Studien, welche auch einer fleischbasierten Ernährung positive Aspekte zusprechen, wurden nicht erwähnt. Im Sinne der Vollständigkeit hätte ich mir eine entsprechende Anmerkung gewünscht. Alternativ hätten solche Quellen von vornherein nicht referenziert werden können. Da es sich bei Gamechangers jedoch um eine Dokumentation FÜR den Veganismus und nicht um eine wissenschaftlich validierte Publikation handelt, ist dies natürlich verständlich.

Eine Dokumentation zu einem solch kontroversen Thema sollte meiner Meinung nach jedoch, bis zu einem gewissen Ausmaß, polarisieren, weswegen ich verstehe warum ein solcher Ansatz gewählt wurde. In jedem Fall hat Gamechangers es geschafft viele Menschen zum Nachdenken anzuregen und ein zentrales Thema unserer Zeit aufgegriffen. Ich kann wirklich nur jedem Menschen, ob sportlich aktiv oder nicht, empfehlen diese Dokumentation zu schauen.

Für mich hat Gamechangers zu einem Lebenswandel geführt. Ob das bei dir genauso ist? Wer weiß. Dennoch denke ich, dass du zum Nachdenken angeregt wirst und bestehende Grundsätze eventuell kritisch hinterfragst. Du wirst in Zukunft mit Sicherheit noch einiges zum Thema Veganismus auf diesem Blog lesen.

Quellen (es ist anzumerken das dies nur ein verschwindend geringer Teil der verfügbaren Quellen zu dieser Thematik sind):
[1] Oceania – Wasted Catch
[2] Le und Sabaté – Beyond Meatless, the Health Effects of Vegan Diets: Findings from the Adventist Cohorts
[3] DeRose et al. – Vegan Diet-Based Lifestyle Program Rapidly Lowers Homocysteine Levels
[4] Craig – Health effects of vegan diets
[5] Albert-Schweizer Stiftung – Vegan Gesund
[6] Berkow und Barnard – Vegetarian Diets and Weight Status
[7] WHO – IARC Monographs evaluate consumption of red meat and processed meat
[8] Tantamango-Bartley et al. – Vegetarian Diets and the Incidence of Cancer in a Low-risk Population
[9] WWF – Unsustainable cattle ranching
[10] Global Forest Atlas – Cattle Ranching in the Amazon Region
[11] WWF – Soy
[12] Greenpace – Soya
[13] Global Forest Atlas – Soy Agriculture in the Amazon Basin
[14] Peta – The Amazon Rainforest: The ‘Problem’ With Soybeans Isn’t What You Think
[15] Brack et al. – Agricultural Commodity Supply Chains Trade, Consumption and Deforestation
[16] Arbeitsgruppe nachhaltige Ernährung – Grundsätze

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